Projekt CRITIS
Projekt CRITIS
CRITIS – Kritische Kipppunkte im Erdsystem
Lehren aus der Vergangenheit für die Zukunft
Projektakronym: CRITIS
Projektnummer: ITAT-24-010
Programm: Interreg VI-A Italia–Österreich
Laufzeit: April 2026 – März 2028
Kofinanziert durch die Europäische Union
Was ist CRITIS?
Vergangene Umweltkrisen zeigen, wie das Überschreiten planetarer Grenzen – sogenannte Kipppunkte – zu tiefgreifenden, oft irreversiblen Veränderungen führt.
Das Projekt CRITIS macht SchülerInnen und Erwachsene mit geowissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Erdgeschichte vertraut, um aktuelle Entwicklungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und das Erreichen ökologischer Kipppunkte besser zu verstehen und einordnen zu können.
Im Fokus stehen zwei der größten Massenaussterben der Erdgeschichte an den Grenzen der Trias: die Perm-Trias-Grenze vor rund 252 Millionen Jahren und die Trias-Jura-Grenze vor 200 Millionen Jahren, als Beispiel für systemische Umbrüche. Die Vergangenheit wird so zum Spiegel für Gegenwart und Zukunft – für mehr Resilienz und Bewusstsein im Umgang mit unserer Erde.
Warum dieses Projekt?
Der Alpenraum gehört zu den Regionen, die vom Klimawandel besonders stark betroffen sind. Die Erwärmung verläuft hier etwa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Gletscher schmelzen, Permafrostböden tauen auf, extreme Wetterereignisse nehmen zu. Diese Entwicklungen gefährden nicht nur die einzigartige alpine Flora und Fauna, sondern auch die Lebensgrundlage der Menschen in der Region.
Herausforderungen wie Biodiversitätsverlust und Klimawandel kennen keine nationalen Grenzen. Deshalb braucht es grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Das Projekt verbindet Südtirol und Tirol – zwei Regionen, die denselben Naturraum teilen und gemeinsam handeln müssen. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Erdgeschichte helfen dabei, die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen besser zu vermitteln und die Resilienz der Bevölkerung gegenüber künftigen Herausforderungen zu stärken.
Ziele
Das übergeordnete Ziel von CRITIS ist es, das Verständnis für die Funktionsweise der Erde als System zu fördern und das Bewusstsein für die Dringlichkeit von Klimaschutz und nachhaltigem Handeln zu stärken. Konkret soll das Projekt:
- wissenschaftliche Erkenntnisse zu vergangenen Biodiversitätskrisen systematisch aufbereiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen
- die Parallelen zwischen historischen Kipppunkten und der heutigen Klimakrise sichtbar machen
- ein systemisches Denken in Bezug auf globale Zusammenhänge und eigene Verantwortung fördern
- innovative Bildungsangebote für Schulen, Museen und die breite Öffentlichkeit entwickeln
Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, zur EU-Biodiversitätsstrategie 2030 sowie zu nationalen und regionalen Bildungs- und Klimaschutzstrategien.
Projektgebiet
Das Untersuchungsgebiet umfasst zwei bedeutende geologische Grenzregionen im Alpenraum:
Perm-Trias-Grenze | Südtirol
Im GEOPARC Bletterbach sowie in Pufels und Umgebung finden sich herausragende Gesteinsaufschlüsse, die einzigartige Einblicke in die dramatischen ökologischen und klimatischen Veränderungen des größten Massenaussterbens der Erdgeschichte bieten.
Trias-Jura-Grenze | Tirol
Am Kuhjoch im Naturpark Karwendel befindet sich der international anerkannte GSSP (Global Stratotype Section and Point) für die Trias-Jura-Grenze – ein weltweit einzigartiger Referenzpunkt für das zweitgrößte Massenaussterben der Erdgeschichte.
Was entsteht im Projekt?
Wissenschaftliche Grundlagen (WP 2 – Paläobiodiversität)
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den vergangenen Biodiversitätskrisen an der Perm-Trias- und der Trias-Jura-Grenze werden systematisch kompiliert, ergänzt und aufbereitet. Kenntnislücken werden durch gezielte wissenschaftliche Analysen geschlossen. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für alle weiteren Projektbausteine.
Kipppunkte gestern und heute (WP 3 – Kritische Kipppunkte)
Parallelen zwischen den historischen Biodiversitätskrisen und den aktuellen, vom Menschen verursachten Klimakrisen werden analysiert und für ein breites Publikum aufbereitet. Mit renommierten WissenschaftlerInnen wie Prof. Georg Kaser (IPCC-Autor, Glaziologe) und Prof. Sylvain Richoz (Sedimentgeologie) entsteht ein fundiertes Bild davon, was die Erde als vernetztes System ausmacht und wie fragil dieses Gleichgewicht ist.
Didaktische Materialien und Mixed Reality (WP 4 – Didaktik)
Das Herzstück des Projekts: Ein innovatives Bildungsangebot, das wissenschaftliche Inhalte durch moderne Technologien erlebbar macht. Entstehen werden:
- didaktische Materialien und Workshops, abgestimmt auf Lehrpläne und verschiedene Zielgruppen
- geführte Exkursionen zu den geologischen Schlüsselstellen
- eine mobile, interaktive Mixed-Reality-Anwendung, die in Schulen oder bei Veranstaltungen flexibel eingesetzt werden kann
- wissenschaftliche Paläoart-Illustrationen vergangener Ökosysteme (4 Illustrationen sowie 3D-Modelle)
Neun Pilotschulen aus Tirol und Südtirol sind bereits in das Projekt eingebunden und begleiten die Entwicklung der Materialien.
Partner
Lead Partner
GEOPARC Bletterbach (Aldein, Südtirol)
Der GEOPARC Bletterbach verfügt über langjährige Erfahrung in der Vermittlung geowissenschaftlicher Inhalte und der Organisation von Bildungsprogrammen. Direktorin Hannah Pomella bringt als Wissenschaftlerin und Projektkoordinatorin umfassende erdwissenschaftliche Expertise mit.
Projektpartner
Tiroler Landesmuseen (Innsbruck, Tirol)
Die Tiroler Landesmuseen verfügen über umfassende wissenschaftliche Expertise in der Paläontologie und langjährige Erfahrung in der Museumsdidaktik. Ihre Naturwissenschaftliche Sammlung umfasst über 3 Millionen Tiere, 400.000 Pflanzen und rund 40.000 Gesteine und Fossilien.
Assoziierte Partner
Amt für Geologie und Baustoffprüfung (Südtirol)
Betrieb Landesmuseen / Museum Ladin & Naturmuseum Südtirol (Südtirol)
Verein Naturpark Karwendel (Tirol)
Wissenschaftliche Beratung
Das Projekt wird von international anerkannten WissenschaftlerInnen begleitet:
Prof. Georg Kaser – Klimaforscher, Lead-Autor mehrerer IPCC-Berichte, Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Universität Innsbruck
Prof. Sylvain Richoz – Sedimentgeologe und Experte für Biodiversitätskrisen, Universität Lund, maßgeblich an der Anerkennung des Kuhjoch-Profils als GSSP beteiligt
Priv.-Doz. Dr. Evelyn Kustatscher – Paläoökologin und Kuratorin der Tiroler Landesmuseen, Expertin für die Perm-Trias-Grenze in den Dolomiten
Dr. Hannah Pomella – Geologin, Direktorin GEOPARC Bletterbach, Projektleiterin
Dr. Herwig Prinoth – Paleontologe (Museum Ladin)
Laufzeit und Förderung
Beginn: 23. April 2026
Ende: 31. März 2028
Programm: Interreg VI-A Italia–Österreich
Politisches Ziel: PZ 2 – Grüneres, CO₂-armes Europa
Spezifisches Ziel: RSO2.4 – Klimaanpassung und Katastrophenresilienz
Förderart: Zuschuss (Kofinanzierung durch die Europäische Union)
Kofinanzierungshinweis
Dieses Projekt wird im Rahmen des Programms Interreg VI-A Italia–Österreich durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.
Kofinanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der AutorInnen und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Verwaltungsbehörde wider. Weder die Europäische Union noch die Verwaltungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden.
Kontakt
Lead Partner – GEOPARC Bletterbach
Dorf 11 · 39040 Aldino/Aldein (BZ)
E-Mail: critis@bletterbach.info
Ansprechperson: Hannah Pomella
Projektpartner – Tiroler Landesmuseen
Museumstraße 15 · 6020 Innsbruck
www.tiroler-landesmuseen.at
Referent: Evelyn Kustatscher












