GEOWISSEN

Wissenschaft

Die ersten wissenschaftlichen Zeugnisse in der Umgebung der Bletterbachschlucht gehen zwar auf das Jahr 1891 zurück, bis zu Berichten über geologische Funde aus dem Bletterbach sollten jedoch noch einige Jahre vergehen: Erst ab den 1930er Jahren beschrieb der Radeiner Ingenieur Leo Perwanger in mehreren Veröffentlichungen den geologischen Aufbau des Weißhorns und die Funde von verkohlten Pflanzenresten und versteinerten Meerestieren aus der Schlucht. Der Wissenschaftler Piero Leonardi stieß 1948 auf erste Fußabdrücke der Schlucht und veröffentlichte in der Folge wissenschaftliche Publikationen und Abhandlungen. In den 1970er Jahren arbeitete Leonardi mit Wissenschaftlern und Studenten aus Ferrara, Rom, Padua und Cagliari an ausführlicheren Studien, organisierte erste Expeditionen und begann mit einer systematischen Forschungsarbeit. Die Erforschung der Pflanzenfossilien wurde vom Wiener Wissenschaftler Wilhelm Klaus Anfang der 1960er Jahre wieder aufgenommen. Ab 1973 widmeten sich Forscher der Universität Utrecht dem Thema. In all diesen Jahren unterstützte Josef Perwanger die Forschungsarbeiten und war Namensgeber zweier Fußspuren, die er im Bletterbach gefunden hatte.

Die vielen fossilen Funde auf engem Raum, die gute Erreichbarkeit der Schlucht und die gut Erkennbarkeit von versteinerten Schichten und Böden machen die das UNESCO-Welterbe zu einem Schulbeispiel für die Wissenschaft. Bis heute beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Geologie der Bletterbachschlucht – in enger Zusammenarbeit mit dem Naturmuseum Südtirol in Bozen, dem Naturmuseum in Trient und der Universität München. So wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise die Pflanzenfossilien genauer unter die Lupe genommen, erstmals ein Knochen eines Sauriers gefunden sowie die Erosion und Gesteinsverschiebungen im Bachbett beobachtet.